Über Amateurfotografie.


Der größte Kritiker der deutschen Fotokultur hat mit "letzter Tinte" noch einen rausgehauen.

https://photomocking.wordpress.com

Seit Jahren schreibt er regelmäßig in lästerlichem Stil Binsenweisheiten und Allgemeinplätze und haut die selbigen dem geneigten Amateurfotografen um die Ohren.
Kann man machen.

Man kann aber auch versuchen, dem vielgeschmähten Amateurfotografen beizubringen, wie das nun geht, mit der Fotografie.

Ich habe das im Auftrag von Olympus 7 Jahre im Oly-Forum gemacht, als einer der "bezahlten Moderatoren" von denen man ja angeblich nichts erwarten darf. Und mittlerweile zehn Jahre lang als Betreiber des - werbefreien - oly-e.de, das ich bis heute aus eigener Tasche zahle und das mich in den zehn Jahren etwa 15.000 Euro gekostet hat.  Und zwar, ohne meine Arbeit zu rechnen. (Nur zur Unterstellung, man würde sich mit Foren eine goldene Nase verdienen - meine Nase ist noch nicht golden.)

Seit eineinhalb Jahren gebe ich Fotokurse. Keine Workshops. Kurse. Da versuche ich den Leuten an einem Wochenende beizubringen, wie sie ihre Kamera bedienen müssen und wie sie kreativ werden können. Das geht natürlich nicht, meistens schaffe ich es gerade, die Menüoptionen verständlich zu machen und im praktischen Beispiel zu zeigen.

Die Kurse speziell zu Kreativität dagegen werden entweder nicht gebucht, oder ich muss dann doch wieder Kamerabasics erklären.



Woran liegt das? Es liegt nicht etwa an den trotteligen Fotoamateuren, die auf die Versprechungen einer Fotoindustrie reinfallen. Es liegt schlicht und ergreifend daran, dass man sein Werkzeug beherrschen muss, damit man damit kreativ werden kann. Wenn man nicht weiß, wie eine Kettensäge funktioniert, wird das mit dem Baumfällen nix. Und im Zweifel sägt man den falschen Baum um.
Die Kamera zu beherrschen setzt aber voraus, dass man damit übt. Dass man Zeit hat, damit zu üben. Und dass man ganz viel falsch macht und korrigiert wird. Auch das kostet Zeit. Und erfordert Frustrationstoleranz.
Ein Anfänger ist stolz wie Bolle, dass er einen Sonnenuntergang sauber fotografiert hat. Und dass er das im Menü versteckte Programm für Sonnenuntergänge gefunden hat. Das zeigt er im Forum und erhält dann freundliche Kommentare wie "schönes Bild" oder von Deppen wie mir ein "OK, Belichtung und Weißabgleich passt, aber das mit dem Motiv müssen wir noch üben.".



Der Mensch geht gerne den Weg des geringsten Widerstandes und bevorzugt natürlich lobende Kommentare - ist beim oben verlinkten Hüter der wahren Fotografie nicht anders. Kritik anzunehmen ist ein Ding - sie umzusetzen ein Anderes. Speziell bei Anfängerfotografen scheitert das gute Bild an einem simplen Grund:

Die Kamera wird nicht beherrscht. Es passiert mir dauernd, dass Kursteilnehmer simpel an der Bedienung des OK-Knopfes und der vier Pfeiltasten außenrum scheitern. Ich kann die Kamera einhändig und blind bedienen. Andere brauchen eigentlich drei Hände und eine Flasche Baldrian dafür.  Das liegt nicht daran, dass die Kamera so kompliziert ist oder die Leute größere oder kleinere Hände hätten. Es fehlt einfach die Übung. Und wenn die Kamera nicht beherrscht wird, macht nicht der Fotograf die Fotos, sondern die Kamera. Entsprechend sind die Bilder.

Die Kritik an den dummen Amateuren, die auf die doofe Fotoindustrie reinfallen und das Netz mit miesen Bildern fluten, ist billig. Genauso wie die Kritik an kratzenden Geigenschülern, klimpernden Pianisten und Punkrockern, die nur drei Griffe können. Man wird gut, wenn man übt. Wenn man 200k Bilder von allem möglichen Mist geknipst und sich jedesmal einen abgebrochen hat, um selbst das zwanzigste Bild vom Geburtstagskuchen möglichst gut zu machen, dann kann man langsam mit der Kamera umgehen und hat Chancen, sich an kreative Fotografie zu wagen.
Erst wenn die Kamera als kreative Verlängerung des Gehirns wahrgenommen wird, kann man Bilder machen, die über das blanke Ablichten der Wirklichkeit hinausgehen.
 Nur - dafür gibt es keine Fotokurse. Schon gleich gar nicht an einem Wochenende. Genau dafür gibt es das, was man eine "Lehre" nennt. Man muss drei Jahre lang jeden Tag an der Kamera üben - und es steht jemand daneben und pfeift einen zusammen, wenn man wieder Ameisen in den Fingern hatte. Wer Fotografie gelernt hat, ist noch kein toller Fotograf - aber er beherrscht zumindest sein Handwerkszeug.
Bei den "Amateuren" ist es nicht anders. Es gibt "Fotoverrückte", die nicht ohne Kamera denkbar sind und Andere, die nur im Urlaub zur Knipse greifen. Der eine übt jeden Tag drei Stunden, der andere spielt einmal im Jahr auf dem verstimmten Klimperkasten "Stille Nacht, Heilige Nacht".



Das große Problem ist, dass die Workshop- und Fotoindustrie diesen Faktor "Übung" schlicht ausblendet. Man verspricht "Mit der neuen Oh-My-God-Mark-Vierzehn können Sie so supertolle Fotos machen, wie unser Botschafter Frisco Paris". Nein. Kann ich nicht. Mir fehlt das Budget von Frisco. Und der Wille solche Plastikwelten abzulichten. Und jemand anders kann nicht, weil er gar nicht weiß, wie er die Blende kontrollieren kann. Weil ihm niemand gesagt hat, dass er das 3,5-5,6-Zoom bei 14mm auf 3,5 stellen muss, damit er immer mit Offenblende fotografieren kann - und es nichts hilft, bei 42mm auf 5,6 zu stellen - obwohl das auch dort Offenblende ist. Und der deshalb immer im Porträt-Modus fotografiert, weil da in der Anleitung steht, dass die Kamera immer die Blende ganz aufmacht. Klingt nach albernem Anfänger? Ich habe ein dreiviertel Jahr meine Zeitungsfotos so gemacht. Ich kam aus der analogen, mechanischen Fotografie, da gab's dieses Problem nicht, dass Automatiken Dinge gemacht haben, ohne mir zu sagen, was.

Die Workshops sind nicht besser. "Die renommierte Werbefotografin  Norma Al-Di weiht sie in die Geheimnisse der Porträtfotografie ein".  Quark. Wenn die Kursleiterin Geheimnisse hat, wird sie einen Teufel tun und die verraten. Meistens geht es um Allgemeinplätze, was nur deshalb nicht auffällt, weil die Kursteilnehmer so mit ihrer Kamera beschäftigt sind, dass sie gar keine Zeit haben, genau zuzuhören, was die da vorne von sich gibt.

Das Problem ist also, wie kann man Menschen dazu bringen, zu üben? Und zwar so lange, bis der Knipskasten als kreativer Handfortsatz wahrgenommen wird? Garantiert nicht, indem man sich über sie lustig macht. Ich habe es versucht, indem ich Handbücher geschrieben habe, die diese Knipskästen erklären, Anwendungen für Automatiken beschreiben und Fotosituationen anregen. Fail. Die Bücher werden gekauft, aber nicht gelesen. (Kleine Info: Das sind keine Nachschlagewerke, die man zur Hand nimmt, wenn man ein Problem hat. Die sollte man erst lesen, und dann fotografieren. Und fotografieren. Und fotografieren. )



Auf meinen Kursen zeige ich den Leuten, was in ihrer Knipse steckt - fast alle haben meine Bücher vorher gekauft, manche haben auch darin gelesen - und ich höre immer wieder "Ahhhh - jetzt macht das Sinn!". Ja. Weil wir an diesem Wochenende fotografieren. Bei unterschiedlichstem Licht und in unterschiedlichsten Situationen. Eigentlich genau das, was man zuhause auch machen kann. Klar, wenn man im Team fotografiert, macht das mehr Spaß und man kann Dinge machen, die man allein nicht machen kann. Und es hat nicht jeder ein großes Studio zuhause. Aber die Kamerabedienung, die kann man zuhause üben. Wenn es einem wer sagen würde, dass das notwendig ist.

Ich sehe Verkaufsanzeigen auf oly-e.de. "E-M1II mit 2800 Auslösungen wegen Wechsel zur Panasonic G9 zu verkaufen". Sorry Leute - wenn ihr in einem Jahr mit eurer neuen Knipse keine 3000 Bilder gemacht habt - wozu habt ihr die Kamera gekauft? Wenn ich ein Buch über eine Kamera schreibe, mache ich in einem Vierteljahr mindestens 15.000 Bilder. Um die Kamera halbwegs zu beherrschen. Und ich bin mit den Oly-Kameras auf vertrautem Fuß, ich muss also nur noch die Eigenheiten des spezifischen Modells rausfinden.

Mir wird immer wieder gesagt "Ich habe keine Zeit zu üben". Ausrede. Dass man nicht rund um die Uhr Schlagzeug üben kann - OK, Aber eine mFT-Knipse mit 14-42, 17mm oder FishCap kann man immer dabei haben. Immer. Auf dem Weg zur Arbeit, beim Spaziergang, beim Essen, beim abendlichen Blick aus dem Fenster oder sogar in der Badewanne. Motive sind egal. Es geht darum, dass ihr die Bedienung der Kamera übt. Jede einzelne Menüoption. Niemand spielt gerne Czerny-Etüden. So what? Gehört einfach dazu. Und irgendwann klappt's halt auch mit dem Liszt - und dann fallen die Zuschauer von den Stühlen.

Also, Auftrag an euch: Übt. Fotografiert.

Wenn ihr die Kamera im Schlaf beherrscht, dann ist euer Geist frei, Bilder zu denken.

Und dann zeigt diesen "Ach sind die ganzen Fotoamateure unfähig"- Bloggern, wo der Hammer hängt....



PS: Zum Thema Fotoforen schreibe ich demnächst was. Ich bin wahrscheinlich der berüchtigste Mod der deutschen Olympus-Forenwelt und denke, ich bin einer der "Insider", die von den Hütern der deutschen Fotokultur gerne ohne Namensnennung zitiert werden. Wird eine längere Abhandlung, dauert etwas, bis die fertig ist...

Kommentare

  1. Moin und einen ganz herzlichen Dank für deine Zeilen in diesem Blog. Ja, habe die Seite von dem "Läster-Blogger" nur flüchtig gelesen. Nach den Zeilen, als er über die Amateurknipser lästerte, habe ich auch aufgehört zu lesen. Da brauch ich nicht zu applaudieren.

    Ich knipse und fotografiere leidenschaftlich, fast jedes Motiv. Auch einen langweiligen Mond, eine Blume auf der Wiese und probiere verschiedene Perspektiven aus, oder die Technik mit HDR oder Live-Composite usw.

    Die Kunst "nicht auf den Auslöser zu drücken" beherrsche ich zum Glück nicht.

    Ich will das Ergebnis nach dem "belanglosen Knipsen" auf dem Monitor sehen und für mich beurteilen wie das Bild auf mich auswirkt.

    Mittlerweile nutze ich auch die Kreativ-Modis der PEN-F mit Artfiltern und stelle fest, wie viel Spaß man damit hat. Die Bildwirkung der Artfilter sieht man schon vor dem Auslösen.

    So übe ich gern fast jeden Tag, wenn die Zeit da ist, mit meiner Kamera. Bei jedem Ausflug ist meine Kamera dabei. Erinnerungen nehme ich mit und versuche mehr oder weniger gut, diese auch bildwirksam einzufangen.

    Die Kamera zu beherrschen ist das eine und diese komme ich auch gut damit klar. Für mich wird eher das bildwirksame Einfangen des Motivs der Schwerpunkt sein, sprich komponieren.

    So gilt es auch, auch wenn ich schon lange mit Olys fotografiere: Üben und weiterhin am Ball bleiben und an den (für mich) gelungenen Ergebnis erfreuen.

    Herzliche Grüße
    Pit

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  2. Hallo Reinhard,

    komplette Zustimmung von einem, der eher viel fotografiert und bis heute nicht alle Möglichkeiten der Kameras ausschöpft.
    Und ja: es ist ein Zeitproblem. Selbst wenn Du die Kamera dabeihast (ich gebe Dir recht, die passt in jede Tasche) ist immer noch der innere Schweinehund zu überwinden - ein Termin der ansteht, kann ich mir die halbe Stunde für das Motiv am Wegesrand nehmen usw. ...
    Nacher sagt man: hättest Du mal.

    Letztendlich hilft wirklich nur fotografieren und Mut zum Experimentieren.

    Herzliche Grüße

    Hans-Joachim

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  3. Hallo Reinhard!
    Ein guter Artikel und trifft in vielen Punkten auch meine Meinung.
    Es fehlt den Fotografieinteressierten oft einfach die Zeit bzw. der Wille die Zeit für die aufwendige Technik zu investieren. Fotografie besteht halt aus zwei Seiten...die Kreativität und die Technik die man im besten Fall zu tollen Ergebnissen kombinieren kann. Wenn die Begeisterung für die Technik fehlt wird man es den Ergebnissen ansehen. Gleiches gilt wenn man technisch perfekt aber keine Bildideen hat bzw. Nicht versteht, was Bilder im Aufbau interessant erscheinen lässt. Die Auseinandersetzung mit beidem ist der große Reiz bei diesem tollen Hobby. Man kann es den Neulingen nur so versuchen so zu vermitteln und hoffen das gewisse Erfolgserlebnisse dazu führen sich weiter mit den Themen zu beschäftigen.Der Weg ist das Ziel..un toll ist, wenn das eine oder andere Ziel dann mal an der Wand hängt oder in einer Zeitung abgedruckt wird.
    Dies nur mal als kurzer Gedankenabrusseinerseits.
    Viele Grüße, Martin Kirchner

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  4. Hallo Reinhard,
    schöner Artikel, bei vielen Äußerungen gebe ich Dir Recht.

    Ich denke aber, dass das Problem auch eine andere Seite hat – meine These: (Amateur-) Fotografie ist einfach banal geworden, jeder, der ein Smartphone sein Eigen nennt, meint, dass er "fotografieren kann".

    Warum dann noch eine „richtige“ Kamera? Wie soll denn so etwas von unseren Herstellern beworben werden? Klar: Mit wundervollen Bildern und vielen vielen „Automatiken“, die natürlich sofort zu tollen Bildern führen. Das Werkzeug beherrschen, nein, das ist nicht mehr notwendig. Und dann noch das Bild „gestalten“ – wieso denn das? Das macht doch alles die Kamera…..

    Sollte dann ein geneigter User auf diese Versprechungen hereinfallen, stellt er in der Regel fest, dass die Ergebnisse mit der Kamera sich nur wenig von den bisherigen „tollen Bildern“ des Smartphones unterscheiden (In einigen Fällen sind sie sogar schlechter).

    Nur in wenigen Fällen wird die Ursache hinter der Kamera vermutet, nein, es ist immer das Werkzeug, welches nicht funktioniert. Warum dann eine „Fortbildung“? Nein, einfach nicht notwendig. Es wird aufgegeben, in einigen Fällen wird – wie Du schon dargestellt hast – die Kamera nach kurzer Zeit gewechselt.

    Sollte dann jemand trotzdem auf die Idee kommen, den Fehler bei sich selbst zu vermuten und einen Workshop (o.Ä.) zu buchen, so wird das Kleingedruckte (wie z.B. die notwendigen Kenntnisse) geflissentlich überlesen. Also nix mit „Kreativitätsschulung“, Basics sind angesagt, der Rest entfällt „wegen Bodennebel“ (sehr übel - kenne ich persönlich aus einem ganz anderen Bereich).

    Was bleibt: Es gibt noch so ein paar Verrückte, die trotzdem weitermachen – Reinhard, vielen Dank dafür!

    Beste Grüße
    Rudolf

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  5. Klar, dass man üben muss.
    Andererseits sind es oft die endlosen Möglichkeiten, Filter und Automatiken der modernen Kameras, die dazu führen, dass man sich nicht mit Fotografieren, sondern mit der Bedienung der Kamera beschäftigt. Was natürlich auch daran liegt, dass man für das viele Geld, das der Spaß kostet, auch eine Eierlegende Wollmilchsau erwartet (obwohl man eigentlich Veganer ist).

    Zählt doch nur mal die Parameter, mit denen man den (C-)AF verschlimmbessern kann. Da ist die Agility-Veranstaltung vorbei, bevor ich mit Knöpfchn drücken fertig bin. Ich übe lieber Vorfokussieren auf dem Platzals in der Badewanne das Quietscheentchen zu jagen, bis alles passt (und dann auf dem Hundeplatz doch wieder C-AF-Sperre Mittel, 9 kleine Felder und jpg Kontrast +2 besser gewesen wären.

    LG vom Doktorfisch

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    1. Genau diese Argumentation höre ich oft - und sie ist falsch. Wenn Du Deine Kamera beherrscht, sind die Einstellungen eine Sache von 30 Sekunden. Und wenn Du sie wirklich beherrscht, hast Du einen Custom-Modus für Agility definiert und Du drehst einfach das Rad. Wenn Du Deine Kamera beherrscht, sind die "endlosen Möglichkeiten" kein Hindernis, sondern ein Kreativitätsturbo. Lern Deine Kamera kennen - und zwar nicht nur am Hundeplatz.

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    2. Sehe ich auch so. Wenn ich Einstellungen für eine Foto-Situation bei einer Veranstaltung oder Tour gefunden habe, speichere ich diese Einstellung einfach in Customs.

      Die Kamera kann viel, man soll nur nicht den Fehler machen möglichst alle Möglichkeiten der Kamera während dem Fototag nutzen zu müssen. Wenn man genau weiß, welche Parameter für eine Fotosituation benötigt wird, stellt man sie auch ein. Und das recht schnell.

      Standard-Einstellungen für alle Situationen speichert man in den Customs ab. Wenn ich für eine Sportveranstaltung fotografiere, denn hole ich die Datei per Kamera-Updater die Einstellungen in die Kamera. Will ich wieder Statndard, hole ich sie über eine Datei die Standard-Einstellung wieder.

      Was an Feinheiten mit der C-AF-Empfindlichkeit betrifft, Schritt für Schritt mit einer Einstellung probieren und beim nächsten Mal mit einer leicht (!) geänderter Einstellung fotografieren und später zu Hause am PC feststellen, welche Besserung oder Verschlechterungen auftreten. Hin und her probieren während der Fotografie ist eher kontraproduktiv und am Ende weiß man nicht mehr welche Einstellungen die bessere war und am Ende ist Frust...

      Viele Grüße
      Pit

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  6. Hallo Reinhard!
    Ach wie hast du doch Recht. Ich hatte vor knapp einem Jahr einen speziellen Kurs. Nur ein Teilnehmer. Wollte erst alles mögliche, aber wir haben dann ein ganzes Wochenende nur mit der Schärfe gespielt. Freistellen, gezielte Bereiche, einmal alles mit scharf, vor und zurück. Das ist sonst einer der Aufwärmer, aber meinem Teilnehmer hat's so viel Spaß gemacht, dass wir dabei geblieben sind und das Thema so richtig geritten haben. Da hat man dann auch gesehen, dass sich was bewegt und das Üben seine Folgen hat und Erfolge zeigt.
    Liebe Grüße,
    Helge

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  7. Volle Zustimmung, Reinhard. Foren und Fotoseiten sind gut zum Lernen und Austauschen. Aber man sollte mehr Zeit damit verbringen selbst was zu machen als darüber zu lesen oder sich die Sachen von anderen anzusehen (das gilt nicht nur für's Fotografieren). Also weniger Zeit im Netz und mehr hinter der Kamera, dann hat man auch genug Zeit dafür.
    Die Mitstreiter im Netz zeigen natürlich nur ihre besten Sachen, und bei einem weltweiten Austausch findet man sehr viele die etwas besser können. Wenn man sich damit vergleicht zieht man den Kürzeren - gerade als Anfänger. Auch deshalb viel üben, dann zeigen sich auch Erfolge und Fortschritte die man selbst wahrnehmen kann. Das ist dann auch wertvoller als Likes und Follower zu farmen.

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  8. Reinhard träumt.... von einer besseren Welt und guten Fotografen. Reinhard, was Du hier schreibst mag richtig und gut sein. Es verkennt aber, daß das "Fotobusiness" doch ganz anders funktionert. Um es plakativ zu sagen: Es lebt von den Doofen. Und ich darf das sagen ich bin auch kein Fotograf, ich bin auch nur ein Hobbyknipser. Ich könnte mir meine Bilder gelinde gesagt auch sparen. Das geht von den Bloggern, den Vloggern, Testern, über Foren, Fachzeitschriften, bis hin zu den Fotokursveranstaltern, Reiseveranstaltern, den Herstellern und Ihren Markenbotschaftern. Und... es beschränkt sich grundsätzlich nicht auf das Fotografieren, sondern zieht sich quer durch alles was sich verkaufen läßt.
    Erst muß eine Kamera angeschafft werden. Also schaut man sich die entsprechenden Videos an. Welches Format darf's denn sein? Da wird geschwafelt was das Video hergibt, da werden Äpfel mit Birnen und Elefanten mit Mücken verglichen. Hauptsache wieder Klicks für die Werbeeinnahmen. Dann mein absolutes Lieblingsthema in Fotoforen: Welches Objektiv könnt Ihr mir empfehlen? Die mit Abstand schwachsinnigste Frage. Denn selbst Forums-Untote schwingen sich auf und ringen sich zu einer Empfehlung durch. Der/die FragerIn könnte aber genauso, den Linsenkatalog ansehen. Das würde genauso viel Erleuchtung bringen. Auch von den Doofen leben die Objektivvergleicher und 300%-Prozent-Zoomer, die meist noch von den Herstellern exklusiv, vorab mit den entsprechenden Linsen versorgt werden. Manchmal frage ich mich, ob es eigentlich um das Fotografieren geht, oder wer als erster etwas Neues in der Hand haben darf. Überhaupt die Magie des Neuen, das vor mir noch keiner in der Hand hatte, daß ist stärker als jeder Verstand. Aber damit lassen sich auch bessere Bilder machen, wie mit dem alten Schrott, den man schon ein halbes Jahr ungenutzt im Schrank stehen und nur zum Rumzeigen gebraucht hat. Genauso sinnlos sind "Fachmagazine". Dort wird vielleicht auf drei oder vier Seiten auf das Fotografieren an sich eingegangen. Der Rest ist Werbung. Direkt oder unterschwellig. Dann noch schnell ein Fotowettbewerb zur Leserbindung. Das wars. Auch Fotokurse sind ganz beliebt zum schnellen Kohle machen. Nein... es gibt auch seriöse. Aber die große Mehrheit...? Und Reinhard, Du solltest auch nicht die Reisebranche vergessen. Warum fliegt derzeit eigentlich jeder nach Island? Da war glaube ich mal einer, der hat da Fotos gemacht?! Genauso "Aurora borealis". Kein Mensch hat sich früher im Norden die Füße abgefroren. Bahnlinien wurden im Winter eingestellt, Hotels geschlossen. Jetzt brummt das Geschäft. Einer hat geschrieben, wo der beste Ort ist, das Nordlicht zu fotografieren. Und jetzt fliegt die ganze Welt schnell mal für ein Foto dorthin. Die Kameras werden meist gestellt und voreingestellt, damit das Foto auch was wird, wenn schon so viel Geld verblasen wird. Und die Doofen strömen dorthin. Wer nicht mehr im Dschungel mit der Flinte 'rumschießen darf, der geht mit dem teuren Equipment auf Safari oder jetet zu den Grizzlys und Erderwärmung sei Dank, kann man mit seiner Knipse mittlerweile auch die Pinguine am Südpol belästigen. Die Pseudo-Naturschützer dokumentieren mit Ihrer Kamera die letzten ihrer Art und fahren gerne mal am Wochenende 800km einfach um im Morgengrauen genau durch den letzten noch einigermaßen intakten Lebensraum zu stapfen. Das ist die Realität und das Geschäft. Und nicht Menschen die versuchen ihre Kamera zu verstehen um damit gute Bilder zu machen. Will keiner und braucht keiner.... Herzliche Grüße dp

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    1. You may say, i'm a dreamer - but i'm not the only one....

      Hoffe ich zumindest.

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  9. Hallo dp,
    ein wunderbarer Kommentar - und so wahr!
    Vielen Dank dafür.
    VG
    Rudolf
    P.S. Reinhard - ich träume auch gerne.....

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  10. Ein schöner, wirklich treffender Beitrag! Möchte nur noch einen Aspekt hinzufügen: Nicht alle, die eine schöne/faszinierende/leistungsstarke Kamera ihr eigen nennen (wollen), sind unbedingt darauf aus, damit kreative/schöne/künstlerisch/technisch gelungene Bilder zu fotografieren.
    Ist es nicht ein bißchen wie bei Autos: Viele haben eins, um von A nach B zu kommen, möglichst wirtschaftlich. Eine zweite - etwas (!) kleinere Gruppe kauft prestigeträchtige Autos, um damit ihr Image bei Nachbarn, Freunden und Kollegen - oder einfach auf der Straße - anzuheben. Dann gibt es die Profis (Taxi-, Luxuslimousinen-, Kurier-, Polizei- und Rettungs-Fahrzeug-Fahrer, Rally- und Formel-1-Piloten etc.), die müssen ihr Fahrzeug wirklich mit allen Rafinessen und in möglichst allen denkbaren (Gefahren-) Situationen gut beherrschen. Ganz zum Schluß gibt es eine - eher kleine - Gruppe, die ist einfach von bestimmten Fahrzeugen total fasziniert - und möchte sie einfach nur besitzen (oft Oldtimer). Die brauchen die gar nicht so gut zu beherrschen.
    Was Fotokameras betrifft, sehe ich mich selbst irgendwo zwischen der ersten und der letzten Gruppe - soll gut funktionieren - und fasziniert bezügl. der technischen MÖGLICHkeiten (was sie alles KÖNNTE. Tatsächlich brauche ich für meine Anwendung nicht mal 10% dieser technischen Möglichkeiten). Und da bietet die Marke Olympus natürlich immer viele Highlights, die einen wirklich faszinieren können (schon Mitte der 70er Jahre mit der OM-2 , bei der das einfallende Licht als Reflexion von der Oberfläche des Filmmaterials gemessen wurde. Unglaublich). Das hat mich bis heute zum unerschütterlichen Oly-Fan gemacht. Deshalb bin ich aber dennoch nie zu einem ambitionierten Kunst-Fotografen geworden.
    Trotzdem: Den heutigen Feiertag habe ich dann doch für knapp 100 Fotos im Park genutzt - ohne Kunstwerke zu produzieren, aber mit GANZ VIEL SPASS! Danke Reinhard für diese Motivation..... !!!

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